Deutscher Gewerkschaftsbund

27.02.2015
Bildungsreihe "Wirtschaftspolitik im Strukturwandel"

Gewerkschaften in der Region Ruhr-Mark begutachten den demografischen Wandel

Teil 2 in Lüdenscheid: "Demografischer Wandel"

Demografischer Wandel 1

DGB Ruhr-Mark

An historischer Stätte in Lüdenscheid fand die zweite Veranstaltung der Bildungsreihe „Wirtschaftspolitik im Strukturwandel“ der DGB Region Ruhr-Mark statt. In der Schützenhalle Loh, in der 1948 die IG Metall in Westdeutschland gegründet wurde, begrüßte Bernd Schildknecht, DGB Kreisverbandsvorsitzender und 1.Bevollmächtigter der IG Metall im Märkischen Kreis die zahlreichen Betriebs- und Personalräte, Gewerkschaftsaktive und interessierten Gäste.An historischer Stätte in Lüdenscheid fand die 2. Veranstaltung der Bildungsreihe „Wirtschaftspolitik im Strukturwandel“ der DGB Region Ruhr-Mark statt. In der Schützenhalle Loh, in der 1948 die IG Metall in Westdeutschland gegründet wurde, begrüßte Bernd Schildknecht, DGB Kreisverbandsvorsitzender und 1.Bevollmächtigter der IG Metall im Märkischen Kreis die zahlreichen Betriebs- und Personalräte, Gewerkschaftsaktive und interessierten Gäste.

 

 

Bernd Schildknecht

DGB Ruhr-Mark


Zentrales Thema der Veranstaltung waren Analysen und Bewertungen des demografischen Wandels. Unter anderem sollte der vielzitierte Fachkräftemangel vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung betrachtet werden. Die Analyse nahm Prof. Dr. Gerd Bosbach vor. Der Statistiker vom RheinAhrCampus Remagen entlarvte in verblüffend einfacher Weise die Märchen vom Fachkräftemangel. Seit Jahren stehen eigentlich die Schlagzeilen vom „aussterbenden Deutschen“ und den Rekordzahlen von fehlenden Ausbildungs- und Arbeitsstellen im Widerspruch. Die Prognose von fehlenden Arbeitskräften ist vor dem Hintergrund von steigender Produktivität und einer dementsprechend geringeren Nachfrage einer schrumpfenden Bevölkerung nicht haltbar. Hinzu kommt, dass solche Langzeitprognosen eher problematisch sind und im Rückblick selten der Realität entsprochen haben. Einem künftigen Fachkräftemangel könnte man einfach durch ein Mehr an Ausbildung bzw. einer Qualifizierung der Erwerbslosen sowie durch Weiterbildung erfolgreich entgegenwirken, wenn dieser Mangel das wirkliche Problem wäre.

Prof. Dr. Gerd Bosbach

DGB Ruhr-Mark

Nutznießer der „Demografie-Angst“ sind die Unternehmen, die sie für die Senkung der Lohnnebenkosten nutzen, Versicherungen, die dadurch neue Absatzmärkte und neue Gewinne gesichert haben und letztlich auch die Politiker, für die sie als Ausrede für den Rückbau des Sozialstaates dient“, folgerte Prof. Dr. Gerd Bosbach. Seit es die Menschheit gibt, unterliegt sie demografischen Veränderungen. Insbesondere im Vergleich zu dem demografischen Wandel der letzten einhundert Jahre, sind die anstehenden Herausforderungen ein nachrangiges Problem. Viel schwerer wiegt, dass die abhängig Beschäftigten immer weniger an den von ihnen erwirtschafteten Erträgen beteiligt werden und Sozialleistungen immer weniger finanzierbar erscheinen. Um diesen Prozess im Sinne einer Gesellschaft positiv zu gestalten, bedarf es einer besseren Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums und einem Abbau von Arbeitslosigkeit. Damit könne eine ordentliche Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme sowie eine zukunftsgerichteten Bildung für Jugend und Erwachsene geschaffen werden.

Dr. Urs Ruf

DGB Ruhr-Mark

Während in der Gesellschaft die demografischen Veränderungen nicht als das wirkliche Problem sind, stellen alternde Belegschaften in den Betrieben eine tatsächliche Herausforderung dar. Dr. Urs Ruf von der Technologieberatungsstelle NRW stellte seine Praxiserfahrungen aus den betrieblichen Realitäten vor. Für ihn sind die Herausforderungen zu bewältigen, wenn gleichzeitig veränderte Arbeitsprozesse und Arbeitsanforderungen betrachtet und bearbeitet werden. Die Arbeitsfähigkeit der abhängig Beschäftigten wird heute weniger durch körperliche Anstrengungen, sondern vermehrt durch psychische Belastungen beeinträchtigt. Für diese gibt es in ihrer Vielfalt und unterschiedlichen Wirksamkeit kaum bzw. nur wenige durchsetzbare Lösungen. Auch überraschte der gelernte Werkzeugmacher und Diplom Soziologe mit der Erkenntnis, dass die generelle Weiterbildungsbereitschaft im Alter nicht signifikant abnimmt. Viel größer sind die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Qualifikationsniveaus. Bei Beschäftigten ohne beruflichen Abschluss liegt die Quote altersunabhängig unter 50%. Die Ursachen für diese mangelnde Bildungsbereitschaft sind vorrangig nicht im Betrieb zu finden und sind dort auch nicht komplett zu lösen. Ein Bildungssystem, das sich an Defiziten ausrichtet und Jahr für Jahr gescheiterte Bildungskarrieren produziert, bedarf dringend einer neuen Ausrichtung. Die Herausforderung eines sozial-inklusiven Bildungssystems muss mit aller Konsequenz angegangen werden!

Demografischer Wandel 4

DGB Ruhr-Mark

In den anschließenden Diskussionsforen kamen die Teilnehmenden zu Wort, die aus ihren betrieblichen Erfahrungen viele Facetten zu berichten wussten. So wurden vorrangig Probleme genannt und Fragen gestellt, die es nun im Nachgang bearbeitet werden sollen. Ziel ist, daraus gewerkschaftliche Strategien zu entwickeln, die die betrieblichen wie gesellschaftlichen Problemstellungen jeweils aber insgesamt nicht unabhängig voneinander lösen werden. Eine Herkulesaufgabe, wie ein Kollege im Nachhinein formulierte: „Es kann nicht funktionieren, wenn man versucht die Ursachen der politischen Fehlentscheidungen, die als Symptome im Betrieb wirken, nur dort zu lösen.“ Das Schlusswort übernahm die 2.Bevollmächtigte der IG Metall MK Gudrun Gerhardt, die direkt von der IG Metall Tarifkommission in die Veranstaltung kam und von dem positiven Abschluss in der Metall- + Elektroindustrie berichtete.

Demografischer Wandel 5

DGB Ruhr-Mark

Zufriedene Gesichter nach der Veranstaltung:

Bernd Schildknecht, Gudrun Gerhardt, Dr. Urs Ruf, Prof. Dr. Gerd Bosbach (von links)

 

 

Impressionen der Veranstaltung


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