Deutscher Gewerkschaftsbund

11.11.2016

"Wer nicht ausbildet, wird umgelegt!"

Leserbrief zum Artikel "Zahl der Ausbildungsplätze deutlich gesunken" in der Westfalenpost vom 06.11.2016

Im Artikel der Westfalenpost vom 06.11.2016 betont Herr Weichert von der Agentur für Arbeit, dass die betriebliche Ausbildung wegen der verlockenden Angebote von Universitäten und Berufskollegs an Attraktivität verliere. Dabei wird im Artikel verschwiegen, dass in diesem Ausbildungsjahr 2.056 junge Menschen sich für die duale Ausbildung angemeldet haben. Leider standen auf der anderen Seite nur 875 gemeldete Ausbildungsstellen zur Auswahl - obendrein 189 weniger als im Vorjahr. Damit ist offensichtlich, dass auch schon rein rechnerisch knapp 1.200 Jugendliche leer ausgehen und darauf angewiesen sind, um nicht "herumzugammeln", eine Arbeit aufnehmen oder auf die Universitäten und Fachhochschulen bzw. auf die Berufskollegs zu gehen, je nachdem was ihr bisheriger Schulabschluss so hergibt. Andere und das sind immerhin 453, bzw. 22% der BewerberInnen haben den Kontakt zur Agentur für Arbeit abgebrochen und verschwinden aus der Statistik. Das insgesamt führt dazu, dass diese miserable Bilanz dahingehend beschönigt werden kann, indem man nur von 119 "unversorgten" BewerberInnen sprechen muss.

Natürlich ist es bedauerlich, dass auf der anderen Seite die 47 offenen Stellen anscheinend nicht geeignet besetzt werden können. Allerdings werden für 10 dieser offenen Stellen Jugendliche für die Ausbildung zur BäckereifachverkäuferIn gesucht. Ein Beruf, der beim repräsentativen Ausbildungsreport des DGB, der die Ausbildungsqualität bewertet, am schlechtesten abschneidet - so was spricht sich rum!

Festzuhalten bleibt: die duale Ausbildung ist für junge Menschen attraktiv. Es fehlt an Ausbildungsstellen und nicht an noch mehr Bewerbungen. Zahlreiche Appelle und Absichtsbekundungen der Wirtschaft erzielen nicht die nötige Wirkung. Eine Ausbildungsgarantie muss her! Um hierfür den nötigen Druck aufzubauen, gehört die Forderung nach einer Ausbildungsumlage wieder in die öffentliche Debatte. Betriebe, die nicht ausbilden können oder wollen, beteiligen sich finanziell an der guten Ausbildung ihrer Fachkräfte von morgen durch andere Betriebe. Ein Modell, das in der Bauwirtschaft bereits Erfolge vorzuweisen hat.

Anne Sandner, stellvertretende DGB Regionsgeschäftsführerin
________________________________


Den Artikel können Sie hier nachlesen.


Nach oben

Der DGB Ruhr-Mark bei

DGB-Rentenkampagne

Direkt zu ihrer Gewerkschaft